„Nicht verdient“: Grünwettersbachs „Klassenerhalt anders als geplant“

„Nicht verdient“: Grünwettersbachs „Klassenerhalt anders als geplant“

Der ASC Grünwettersbach gehört auch in der kommenden Saison der Tischtennis Bundesliga (TTBL) zum Oberhaus. Als derzeitiger Tabellenletzter sind den Badenern die glücklichen Umstände ihres Klassenerhalts durch den Aufstiegsverzicht von Zweitliga-Meister TSV Windsbach sehr wohl bewusst.

Beim ASC Grünwettersbach herrscht auch nach dem Osterfest noch gedämpfte Stimmung. Besonders Demut prägt bei den Badenern nach der Rettung vor dem Abstieg aus der TTBL die Gemütslage.

Beim Tabellenletzten sind sich alle im Klaren, dass sich das Team von Trainer Kilian Ort am nahenden Saisonende ohne den Aufstiegsverzicht von Zweitliga-Meister TSV Windsbach mit aller höchster Wahrscheinlichkeit im zweitklassigen Unterhaus wiedergefunden hätte. „Klassenerhalt – aber anders als gedacht“, überschrieben die Karlsruher in den sozialen Medien eine betont nüchterne Stellungnahme zum Happy End für den ASC nach einer monatelangen Zitterpartie.

Die Erleichterung über die Entwicklungen in Windsbach rund um die Feiertage trübte den Blick der Vereinsführung um Sport-Geschäftsführer Martin Werner für die Realitäten nach fast fünf Monaten ohne Sieg und einem Dutzend Niederlagen in Sorge keineswegs: „Wir waren gedanklich schon in der zweiten Liga. Diesen Klassenerhalt haben wir uns sportlich nicht verdient. Deshalb fühlt sich eine große Jubelparty einfach nicht richtig an.“

In der Regionalpresse hatte Werner zuvor durch Beschreibung des Umkehrschlusses auch Klartext gesprochen. „Wir haben nicht ‚Hurra‘ geschrien. Wir haben gemischte Gefühle, weil wir nach so einer schlechten Saison verdienter Absteiger gewesen wären“, sagte der ASC-Manager.

Grünwettersbachs Leitfigur Ricardo Walther will denn auch die unfreiwillige Abhängigkeit des ehemaligen Pokalgewinners von äußeren Einflüssen „nicht Normalität“ werden lassen. Der Nationalspieler setzt auf eine effektive Aufarbeitung der Ursachen für den enttäuschenden Saisonverlauf. „Wichtig ist, aus dieser Saison zu lernen, damit wir es in Zukunft besser machen. Für unsere Entwicklung kann das auch wie ein Neustart sein“, erklärte der Routinier.

Als Makel allerdings empfindet Walther die durchaus glücklichen Umstände des ausgebliebenen Abstiegs nach elf Jahren jedoch nicht: „In den letzten Jahren sind schon einige Mannschaften nicht abgestiegen, weil kein Zweitligist hochkam. Irgendwann fragt keiner mehr und spielt auch keine Rolle mehr, wie es zum Klassenerhalt gekommen ist.“

Der Klub will dennoch durch eine ehrliche Saisonanalyse eine Wiederholung der ausklingenden Horror-Saison vermeiden. „Es gibt keinen Grund, sich zurückzulehnen. Das war ein Warnschuss, Windsbach wird kein zweites Mal verzichten“, hieß es in der Vereinsmitteilung: „Wir sind bereit, diesen Weg mit klarem Blick nach vorne neu zu gehen.“

Dazu gehört auch die finale Kaderplanung nun ausschließlich für eine weiteres Jahr in der deutschen Eliteklasse. Für den nach einem Jahr bereits als Abgang feststehenden Doppel-Weltmeister Hiroto Shinozuka sucht der ASC noch einen Ersatz.

Florian Manzke
Beitragsbild oben: Mannschaft des ASC Grünwettersbach (Foto: Hansruedi Lüthi)