Interview mit Andreas Preuß (Manager Borussia Düsseldorf): „Durch Fan Zhendong ist überall alles irgendwo mehr“
Der deutsche Rekordmeister Borussia Düsseldorf startet mit seinem Superstar Fan Zhendong nach der TTBL-Spielpause als Spitzenreiter in den nächsten Saisonabschnitt. Im Interview spricht Vereinsmanager Andreas Preuß über die Veränderungen und ersten Erfahrungen durch das Engagement des chinesischen Idols sowie die Ambitionen und Personalplanungen der Rheinländer.
Andreas Preuß, Borussia Düsseldorf hat die TTBL-Unterbrechung als Spitzenreiter mit weißer Weste verbringen können und außerdem bei der EM in Ljubljana durch Anton Källberg und Dang Qiu insgesamt drei Medaillen gewonnen - klingt nach einer sorgenfreien Spielpause....
Ja, die Erfolge der beiden haben uns sehr gefreut. Natürlich ist es insofern eine sorgenfreie Spielpause, aber wir bereiten uns natürlich auf die kommenden Aufgaben vor, wir haben einige Heimspiele im November und Dezember, und Ende November findet zum zweiten Mal in diesem Jahr ein WTT Feeder in Düsseldorf statt. Darüber hinaus beschäftige ich selbst mich natürlich auch sehr stark mit der Zukunft des Vereins.
Wie wichtig waren die EM-Medaillen für Düsseldorfs altgedienten Leistungsträger Dang Qiu und Anton Källberg?
Eine Europameisterschaft ist immer noch etwas sehr Besonderes und daher freut es uns so mehr, dass beide so erfolgreich waren. Vor allem hat Anton mit seinen beiden Silbermedaillen doch sehr positiv überrascht.
Das Engagement von Olympiasieger Fan Zhendong für Düsseldorf war und ist immer noch das herrschende Thema in der TTBL und bringt der Liga weiter enorme Aufmerksamkeit. Wie haben Sie die ersten Wochen mit einem solchen Weltstar erlebt?
Ja, die ersten Wochen mit Fan Zhendong waren schon sehr aufregend. Es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht und dem Klub ganz viel Motivation und Spirit gegeben. Fan bringt eine unheimliche Energie mit und macht alle unsere Heimspiele zu einem großen Event. Ich selbst schaue seit über 40 Jahren Hochleistungstischtennis und freue mich jetzt auf jedes Heimspiel mit ihm vor voller Kulisse, für unsere Zuschauer und mich ist jedes seiner Spiele ein regelrechtes Tischtennis-Fest. Es hat immer so etwas Ähnliches wie ein Finalfeeling. Es hat sich gleichzeitig in jeglicher Beziehung ganz viel verändert für unseren gesamten Verein, ob es die Merchandise-Abteilung angeht, Social Media, die Kommunikation, das Ticketing, die generelle Vermarktung – durch Fan ist überall alles irgendwo mehr. Das sind neue, schöne Herausforderungen, die uns allen sehr, sehr viel Freude bereiten.
Die Fans erleben Fan Zhendong außer in der Box bei seinen Spielen zurückgezogen. Wie nehmen Sie und die Borussen allgemein Ihren neuen Topspieler bislang wahr?
Fan ist in vielerlei Hinsicht eine echte Bereicherung, er ist immer hochmotiviert, er ist ein totaler Mannschaftsspieler, er hat sehr viel Humor und Spaß und ist sehr professionell. Er ist für jeden ein großes Vorbild und für den gesamten Verein ein großer Motivator.
Sie haben seit Fans Verpflichtung von Ihrem Erzrivalen 1. FC Saarbrücken-TT unzählige Male über neue Möglichkeiten zur Präsentation, insbesondere aber auch neue Chancen für eine bessere Vermarktung gesprochen. Was hat sich bisher schon umsetzen lassen?
Ich habe immer noch das Gefühl, dass wir am Anfang sind, was sowohl Merchandising als auch Kommunikation, Social Media und generelle Vermarktung angeht. Speziell im Bereich Vermarktung haben wir noch Reserven. Wir haben zwei internationale Werbepartner dazu gewonnen und mit dem bestehenden Partner haben wir das Engagement erhöht. Aber da ist doch noch etwas Luft nach oben.
Was ist da denkbar?
Wir planen in Zukunft auch die ein oder andere Aktivität in China, das läuft auf Hochtouren. Das Ganze hat ein unglaubliches Potenzial, das wir bisher nur teilweise ausgeschöpft haben. Die Begeisterung ist riesengroß.
Allein an der Tatsache, dass unsere Spiele in China in über 300 Kinos live – teilweise spät abends oder nachts - zu sehen sind, zeigt, welche große Fanbase Fan in seiner chinesischen Heimat hat. Das stärkt natürlich auch die Marke Borussia Düsseldorf für zukünftige Aktivitäten in China.
Entspricht diese Entwicklung Ihren Erwartungen - oder geht da noch etwas?
Bisher haben sich meine Erwartungen bestätigt, wurden in Teilen aber auch schon übertroffen, aber im Bereich Sponsoring ist noch Luft nach oben. In den Bereichen Ticketing und Merchandising haben wir eigentlich unsere Erwartungen schon übertroffen, aber in allen Bereichen ist weiterhin Potenzial für eine weiterführende Aktivität.
Wichtig ist Ihnen auch die Stärkung der Verbindungen zwischen Deutschland und China durch den Sport Tischtennis gewesen. Was hat sich in diesen Bereichen getan?
Die Verbindungen sind natürlich auch schon extrem gestärkt. Es haben bereits einige und auch vielfältige deutsch-chinesische Aktivitäten auf praktisch allen Ebenen stattgefunden, die den freundschaftlichen Charakter unserer Verbindungen fördern und stärken.
Zu einer Zwischenbilanz gehört auch das Pokal-Aus im Achtelfinale gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen. Wie tief sitzt der Stachel noch im Fleisch des Düsseldorfer Löwen?
Natürlich schmerzt das Pokal-Aus, aber das ist Vergangenheit, wir schauen nach vorne. Jetzt geht es darum, die besten Voraussetzungen zu schaffen, um ins Champions-League-Final4 zu kommen und auch das TTBL Final4 zu erreichen. Wir sind da in beiden Wettbewerben gut aufgestellt und auf einem guten Weg. Wir werden weiter versuchen, uns professionell vorzubereiten und schauen, was am Ende rauskommt. Ich bin mit den bisherigen Auftritten der Mannschaft sehr zufrieden. Im Pokal hatten wir einen schlechten Nachmittag und eine schlechte halbe Stunde im Spiel gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen, die an diesem Tag auch überragend gespielt haben.
Hat das Pokal-Aus den ohnehin enormen Erfolgsdruck auf Ihre Mannschaft für die Titelrennen in Meisterschaft und Champions League nochmals erhöht oder waren die Erwartungen bereits vorher am Anschlag gewesen?
Natürlich ist der Druck groß in Düsseldorf. Wer in Düsseldorf spielt, kennt das. Wir haben immer Druck und wollen immer alles gewinnen. Dass wir speziell in den letzten zwei Jahren nicht so erfolgreich waren, erhöht natürlich den Druck, aber auch damit werden wir weiter gut umgehen.
Im Herbst beginnen allmählich immer auch schon die Personalplanungen der meisten Klubs für die kommende Saison. Sie sagten bisher stets, dass Fan Zhendong dabei Ihr erster Ansprechpartner sei und sich alles weitere am Ausgang dieser Gespräche ausrichten soll. Steht denn inzwischen ein entsprechender Zeitplan?
In Sachen Personalplanung ist vieles offen. Das bereitet mir natürlich auch ein wenig Kopfzerbrechen. Niemand hat einen Vertrag, weder ein Spieler aus der jetzigen Mannschaft noch der Trainer. Es gibt mittlerweile viele Gespräche, aber bisher noch gar keinen Abschluss. Nach der Rückkehr der Spieler aus Frankfurt vom WTT-Champions-Turnier Anfang November werde ich mich mit jedem Spieler zusammensetzen und überlegen, wie es weitergeht. Vieles ist offen, vieles ist möglich.
Wir stehen vor einer sehr herausfordernden Olympia-Saison mit unzähligen Turnieren und mit viel Druck für jeden einzelnen Spieler. Wir müssen gut überlegen, ob wir mit fünf oder sechs Spielern spielen. Es ist aber am Ende alles offen. Natürlich werde ich auch mit Fan Zhendong reden, aber ich erwarte keine kurzfristigen Entscheidungen. Vielleicht werden wir in diesem Jahr noch eine oder zwei Verpflichtungen bekannt geben. Ich glaube, vieles wird sogar Anfang 2027 entschieden.
Vielen Dank für das Gespräch, Andreas Preuß.
Florian Manzke