Desmond Douglas, „King“ Kong, Fan Zhendong: Große Transfers
Die Tischtennis Bundesliga (TTBL) hat Grund zum Feiern: Die höchste Spielklasse in Deutschland befindet sich in ihrer 60. Saison und präsentiert sich zum Jubiläum so attraktiv und hochwertig wie nie zuvor. Bis zum „Geburtstag“ im September 2026 ist an dieser Stelle regelmäßig Platz für Meilensteine in der Entwicklung des Oberhauses zur mittlerweile stärksten Liga in Europa. Im vierten Teil der Zeitreise durch eine Epoche deutscher Sportgeschichte erinnern wir an spektakuläre Transfers im Oberhaus.
Superstar Fan Zhendong hat im März zum zweiten Mal binnen zehn Monaten in der TTBL für spektakuläre Transfer-Schlagzeilen gesorgt. Sowohl das nun nach einer Saison ausklingende Engagement des Chinesen beim 1. FC Saarbrücken-TT als auch sein kürzlich verkündeter Wechsel für die kommende Saison zu Borussia Düsseldorf verschafften der TTBL weltweite Aufmerksamkeit.
Doch natürlich ist Fans Wechsel in der fast 60-jährigen Bundesliga-Geschichte längst nicht der erste aufsehenerregende Transfer auf dem Spielermarkt gewesen. Allerdings haben mit olympischem Gold ausgezeichnete Spieler für das deutsche Oberhaus immer noch Seltenheitswert.
So ist Fan durch seine Unterschrift in Saarbrücken vor rund einem Jahr zum ersten „amtierenden“ Olympiasieger in der Bundesliga seit 26 Jahren aufgestiegen. Vor dem Champion der Sommerspiele 2024 in Paris war „King“ Kong Linghui 1999 für ein zweites Engagement in Deutschland als frischgebackener Weltmeister im Doppel zu den TTF Bad Honnef gekommen, nachdem Fans Landsmann drei Jahre zuvor in Atlanta Olympia-Gold im Doppel gewonnen hatte. Kongs Partner Liu Guoliang hatte bei den Sommerspielen vor 30 Jahren außerdem das Einzelturnier gewonnen und brachte somit wenige Wochen nach seinem zweifachen Triumph in den USA besonders viel goldenen Glanz zu seinem „Dienstantritt“ beim TTC Jülich mit.
Jülich war seinerzeit auf den „Import“ von Weltklasse aus dem Reich der Mitte regelrecht spezialisiert. Denn schon drei Jahre vor Liu hatte sich Wang Tao als erster Olympiasieger aus China an die Grenzländer gebunden, nachdem Wang 1992 in Barcelona mit Lu Lin Olympia-Gold im Doppel sowie wenige Monate vor seinem Engagement in Jülich auch die WM-Titel im Doppel, Mixed und mit der Mannschaft gewonnen hatte. Zwölf Monate nach Wang schloss sich sein Doppelpartner Lu 1994 für eine Saison dem früheren Europapokalsieger an.
Als einziger Olympiasieger aus Europa war Jan-Ove Waldner in der deutschen Eliteklasse aktiv. Schwedens Ikone, in den 80er Jahren schon beim ATSV Saarbrücken unter Vertrag, heuerte jedoch erst 2003, elf Jahre nach seinem Einzel-Gold von Barcelona, beim SV Plüderhausen und später beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell an. Nach Waldners Abschied von den Osthessen 2012 verbreitete Südkoreas Athen-Olympiasieger Ryu Seung-Min zwei Jahre lang bei den TTF Liebherr Ochsenhausen Gold-Flair.
Für den spektakulärsten Transfer eines einheimischen Stars sorgte nicht der 2007 schon lang erwartete Wechsel von Timo Boll vom TTV Gönnern nach Düsseldorf, sondern Steffen Fetzner 14 Jahre vorher. Der Abschied des Doppelweltmeisters von 1989 aus Düsseldorf und von seinem langjährigen Doppel-Partner Jörg Roßkopf zum damaligen Newcomer-Team Super-Donics Berlin schlug hohe Wellen.
Düsseldorf stand auch schon viele Jahre zuvor im Zentrum von schlagzeilenträchtigen Vereinswechseln deutscher Asse. 1968 lockten die Borussen den deutschen Topspieler Eberhard Schöler vom erfolgreichen Lokalrivalen TuSA Düsseldorf mit „beruflichen Vergünstigungen“ und legten durch die Verpflichtung „Mr. Pokerface“ – rückblickend betrachtet – den Grundstein zur Eroberung eines dauerhaften Platzes in der nationalen Elite. Als ein Jahr später zudem Blockspezialist Wilfried Lieck vom SVM Essen in die NRW-Metropole wechselte, machte Düsseldorf auch als „Borussia Deutschland“ von sich reden.
Auch für den ersten namhaften Booster für die Attraktivität der Liga durch internationale Zugnummern sorgten die Rheinländer. 1977 nahm Düsseldorf den auf Jamaika geborenen Engländer Desmond Douglas unter Vertrag – und landete einen Volltreffer: Douglas avancierte durch seinen spektakulären Stil zum bundesweiten Publikumsliebling und Zuschauermagneten. Vor allem erwies sich der „Großverdiener“ in seinen acht Jahren im Borussen-Trikot mit fünf Titelgewinnen als erhoffter Erfolgsgarant – sein auf 50.000 Mark geschätztes Jahresgehalt war zugleich ein wichtiger Schritt im Professionalisierungsprozess der Bundesliga.
Florian Manzke