Das Pokal-Gespräch mit Dang Qiu (Borussia Düsseldorf) und Iulian Chirita (TTF Liebherr Ochsenhausen): „Nicht immer setzen sich die Besten durch“

Das Pokal-Gespräch mit Dang Qiu (Borussia Düsseldorf) und Iulian Chirita (TTF Liebherr Ochsenhausen): „Nicht immer setzen sich die Besten durch“

Mitfavorit Borussia Düsseldorf und der frühere Cupgewinner TTF Liebherr Ochsenhausen bestreiten beim Leapmotor Pokal Grand Opening in Nürnberg eines der Topspiele im Achtelfinale. Im Interview sprechen Düsseldorfs früherer Europameister Dang Qiu und TTF-Hoffnungsträger Iulian Chirita über ihre Auftaktaufgabe, Erwartungen und die Strahlkraft des Pokal-Wettbewerbes.

Dang Qiu, mit Borussia Düsseldorf bestreiten Sie beim Leapmotor Pokal Grand Opening in Nürnberg gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen eine Kracher-Partie des Achtelfinales. Hätten es auch ein leichteres Los sein dürfen?

Dang Qiu: Ochsenhausen ist natürlich schon ein absoluter Kracher und ein schweres Spiel zu Beginn. Zwei der größten Namen in der Tischtennis-Bundesliga treffen direkt in der ersten Hauptrunde im Pokal aufeinander. Aber so kann es sein, und so ist es dieses Mal. Es bringt nie etwas, sich über die Auslösung zu beschweren. Hinterher weiß man immer mehr. Wir müssen die Aufgabe, die uns jetzt bevorsteht, einfach annehmen und uns bestmöglich darauf vorbereiten. Dann bin ich auch zuversichtlich, dass wir das Spiel bewältigen werden.

Iulian Chirita, kann für Ochsenhausen bei diesem buchstäblichen Hammerlos die mutmaßliche Außenseiterrolle auch Vorteile haben?

Iulian Chirita: Auf jeden Fall kann das einige Vorteile haben. Der Druck auf uns ist geringer, und wir können befreiter aufspielen. Wir wissen, dass Düsseldorf der Favorit ist, aber wir wissen auch, dass in einem Spiel alles passieren kann.

Düsseldorf hat sich zur Saison mit Superstar Fan Zhendong verstärkt. Ist der Titel für Ihre Mannschaft dadurch praktisch schon sicher?

Dang Qiu: Nein, im Sport ist nie irgendetwas sicher - selbst mit einem Fan Zhendong nicht. Er ist natürlich eine absolute Verstärkung für uns, aber davon alleine ist uns kein Titel sicher. Natürlich sind wir auf dem Papier Favoriten, vielleicht kleine Favoriten, aber jedes Spiel muss gespielt werden. Man sieht ja auch immer wieder, wie schnell sich so etwas wenden und drehen kann. Deshalb ist jedes Spiel wichtig, da muss jeder in der Mannschaft in absoluter Höchstform sein, um Titel gewinnen zu können. Das wird auch in dieser Saison so sein.

Für Sie, Iulian Chirita, könnte das Spiel auch ein direktes Duell mit Superstar Fan Zhendong, der beim vergangenen Liebherr Pokal Final4 in drei Matches nur einen Satz abgegeben hat, mit sich bringen. Würden Sie solch ein Match als Chance begreifen oder doch eher fürchten?

Iulian Chirita: Natürlich würde ich es als eine große Chance sehen. Gegen einen Spieler wie Fan Zhendong zu spielen, ist genau die Art von Match, die man sich als Profi wünscht. Es gibt nichts zu fürchten – ich würde einfach versuchen, den Moment zu genießen, mein Bestes zu geben und sehen, was passiert.

In den vergangenen beiden Jahren ging Ihre Borussia, Dang Qiu, bei der Jagd nach Titeln jeweils leer aus. Vereinsbotschafter Timo Boll sprach zuletzt davon, dass es in Düsseldorf wieder Zeit für neuen Glanz und Titel sei. Wie groß ist der Erwartungsdruck wirklich?

Dang Qiu: Der Erwartungsdruck beziehungsweise die Erwartungshaltung ist bei einem Verein wie Borussia Düsseldorf natürlich immer da - unabhängig von Fan Zhendongs Wechsel zu uns. Man spielt jedes Jahr, jede Saison mit der Erwartung, möglichst viele Finals zu spielen und auch hoffentlich Titel zu gewinnen. Natürlich ist jetzt durch die vergangenen beiden Jahre auch nochmal ein gewisser Extradruck da. Allerdings muss man natürlich auch festhalten, dass die anderen TTBL-Mannschaften sich jährlich mit extrem guten Spielern verstärken, teilweise spielen in den Mannschaften mehrere Top-5-Spieler, und auch für diese Saison  ist Saarbrücken mit Hugo Calderano wieder ein Wahnsinnstransfer gelungen, der einfach ein Top-Spieler ist und uns auch jederzeit sehr, sehr gefährlich werden kann.

Iulian Chirita, in Ochsenhausens Halbfinale bei der Pokal-Endrunde der zurückliegenden Spielzeit waren Sie erstmals beim Liebherr Pokal Final4 dabei. Ist gegen den späteren Sieger 1. FC Saarbrücken-TT die besondere „Faszination Pokal“ zu spüren gewesen?

Iulian Chirita: Ja, auf jeden Fall. Die Atmosphäre war etwas Besonderes, und man konnte wirklich spüren, wie wichtig der Wettbewerb ist. Gegen Saarbrücken im Halbfinale zu spielen, war eine großartige Erfahrung für mich, vor allem, weil ich zum ersten Mal dabei war.

Bei den zwei vergangenen Auflagen des Liebherr Pokal Final4 war Düsseldorf nur Zaungast. Wandern da die Gedanken vor Nürnberg noch an diese beiden Pokal-Enttäuschungen zurück?

Dang Qiu: Natürlich sind uns die Pokal-Enttäuschungen der vorigen zwei Jahre noch präsent. Das waren natürlich Sachen, die wir auf jeden Fall vermeiden wollten, aber so wie der Sport seine eigenen Geschichten schreibt, setzen sich natürlich nicht immer die Besten wie selbstverständlich durch. Wir hatten in den letzten Jahren immer schwere Auslösungen, schwierige Aufgaben, die wir leider dann knapp nicht bestanden haben. Natürlich gehen wir mit vollem Elan in diese Saison hinein und hoffen, dass uns in diesem Wettbewerb ein gutes Comeback gelingt und wir wieder den Titel gewinnen können. Aber auch dieses Jahr fängt der Pokal erst einmal mit dem Achtelfinale an.

Verändert das neue Grand-Opening-Format mit Achtel- und Viertelfinale an einem Wochenende in Ochsenhausen die Vorbereitung auf den Pokal?

Iulian Chirita: Ja, ich denke, das neue Format verändert die Vorbereitung ein bisschen. Mit möglicherweise zwei wichtigen Spielen an einem Wochenende muss man vom ersten Punkt an körperlich und mental bereit sein. Regeneration und ein gutes Energiemanagement werden ebenfalls sehr wichtig sein.

Sie haben, Dang Qiu, schon zweimal - 2020 mit dem ASC Grünwettersbach und 2024 im Düsseldorfer Trikot - den Pokal gewonnen. Wie lassen sich die beiden Erfolge unterscheiden?

Dang Qiu: Das waren zwei sehr schöne Momente, an die ich mich sehr gerne erinnere. Vor allem an den Sieg mit Grünwettersbach, das war mein erster Mannschaftstitel, da waren wir definitiv als absoluter Außenseiter ins Rennen gegangen und haben dann völlig überraschend mit einer absolut fantastischen Teamleistung beide Spiele gewonnen. Auch da hat man sehen können, dass die Underdogs gewinnen können. Mit Borussia war es aber natürlich genauso schön: Wir haben im Finale gegen Saarbrücken sehr klar 3:0 gewonnen, das war auch ein sehr schöner Moment, weil an diesem Wochenende auch alles sehr gut geklappt hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir in diesem Jahr diese beiden Momente wiederholen könnten.

Welche Rolle kann der Verlauf des Pokal-Wochenendes für Ochsenhausen im weiteren Saisonverlauf haben?

Iulian Chirita: Ich denke, das Pokalwochenende kann großen Einfluss auf den Rest der Saison haben. Ein guter Lauf kann der gesamten Mannschaft Selbstvertrauen und positiven Schwung geben. Wir wollen um jeden Titel mitspielen, daher hoffen wir, dass wir das Wochenende nutzen können, um etwas für den Rest der Saison aufzubauen.

Dang Qiu und Iulian Chirita, vielen Dank für das Gespräch.

Florian Manzke