Das Pokal-Gespräch mit Borgar Haug (Union Velbert) und Fanbo Meng (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell): „Theoretisch braucht man einen perfekten Tag“

Das Pokal-Gespräch mit Borgar Haug (Union Velbert) und Fanbo Meng (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell): „Theoretisch braucht man einen perfekten Tag“

Das Achtelfinale zwischen Vorjahresfinalist TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und Union Velbert beim Leapmotor Pokal Grand Opening ist die Neuauflage eines Final4-Duells aus der Saison von 2012/13. Im Interview sprechen Velberts Neuzugang Borgar Haug und Fuldas ehemaliger Mannschafts-Vizeweltmeister Fanbo Meng über Favoriten- und Außenseiterrollen, Erinnerungen an zurückliegende Pokal-Highlights und die Bedeutung gelungener Auftritte in Nürnberg für den weiteren Saisonverlauf.

Borgar Haug, beim Leapmotor Pokal Grand Opening in Nürnberg treffen Sie mit Zweitligist Union Velbert auf Vorjahresfinalist TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Wie geht Ihr Team mit der Rolle als klarer Underdog um?

Borgar Haug: Das Spiel gegen Fulda wird sicherlich eine große Bewährungsprobe für uns. Wir freuen uns alle sehr auf die Partie und sind gespannt, was wir erreichen können. Natürlich geht Fulda als großer Favorit ins Rennen; sie waren ja auch in der vergangenen Saison Finalist. Wir können also ohne Druck aufspielen und versuchen, unsere Bestleistung abzurufen, und dann sehen, was dabei herauskommt.

Fanbo Meng, Play-off-Kandidat gegen den Zweitliga-Letzten der vergangenen Saison – viel klarere Favoritenrollen gibt es kaum noch, oder?

Fanbo Meng: Ich glaube nicht, dass es ein David-gegen-Goliath-Spiel ist. Immerhin hat Velbert Borgar Haug von Borussia Düsseldorf verpflichtet und ja auch noch Andrej Gacina auf seiner Liste. Man weiß zwar auch nicht, mit welcher Mannschaft Velbert antreten wird, aber natürlich sind in einem Spiel Erstligist gegen Zweitligist die Vorzeichen ein bisschen anders. Wir müssen schon sagen und haben auch die Erwartung, dass wir ins Viertelfinale einziehen möchten. Das ist auf jeden Fall unser Ziel.

Velbert hat vor 14 Jahren schon einmal als Außenseiter das Halbfinale - ebenfalls gegen Fulda - erreichen können und in der vergangenen Saison den Einzug ins Liebherr Pokal Final4 gegen den späteren Triple-Gewinner 1. FC Saarbrücken nur knapp verpasst. Wie groß ist die Hoffnung auf eine Überraschung?

Borgar Haug: Ja, ich kenne die Geschichte von Velberts Halbfinale gegen Fulda, und letztes Jahr war es bis zum Doppel auch sehr knapp, ich habe das spannende Spiel auch selbst im Fernsehen gesehen. Aber jetzt beginnt eine neue Saison, ein neues Spiel, und wir müssen es einfach auf uns zukommen lassen. Wir werden aber definitiv versuchen, unsere Chancen zu nutzen, wenn sie sich ergeben.

Fanbo Meng, im Falle eines Erfolgs gegen Velbert muss sich Ihre Mannschaft nach Einschätzung vieler Beobachter unter umgekehrten Vorzeichen voraussichtlich mit dem großen Titelfavoriten Borussia Düsseldorf und Superstar Fan Zhendong um einen Platz beim Liebherr Pokal Final4 duellieren. Wie schätzen Sie die Chancen auf eine Überraschung im Viertelfinale ein?

Fanbo Meng: Falls es zu einem Viertelfinale gegen Düsseldorf kommt, stehen die Chancen ganz anders – und für uns leider gering. Düsseldorf ist mit Fan Zhendong der klare Favorit. Sie haben ja nicht nur Fan, sondern auch noch Dang Qiu, Anton Källberg und Kanak Jha – also zusammen vier absolute Topspieler. Deswegen würden wir schon einen sehr, sehr, sehr guten und perfekten Tag brauchen, um eine Chance zu haben. Aber wir werden auf jeden Fall versuchen, unser Bestes zu geben, und uns nicht kampflos geschlagen geben.

Verändert das neue Grand-Opening-Format mit Achtel- und Viertelfinale an einem Wochenende die Vorbereitung auf den Pokal?

Fanbo Meng: Natürlich ist das neue Grand Opening jetzt ein Format, das uns Spielern gut in den Kalender passt, denn wir haben aktuell einen sehr, sehr vollen Kalender mit WTT-Turnieren und allem anderen. Deswegen tut uns ein „freies Wochenende“ zusätzlich gut. Ich kann aber auch den Wunsch der Fans besonders auch von Zweitligisten nach Heimspielen in den ersten Pokal-Runden verstehen. Insgesamt bin ich beim Blick auf diese Neuerung neutral.

Werden in Velbert, Borgar Haug, denn inzwischen häufiger Erinnerungen an das Pokal-Halbfinale von 2012/13 ausgetauscht?

Borgar Haug: Bei einigen Spielern, die schon lange im Verein sind, kommen da vielleicht Erinnerungen hoch. Ich persönlich habe zu der Zeit kaum Tischtennis gespielt, und wir haben zudem eine recht junge Mannschaft. Für uns wird es also einfach ein tolles Spiel, bei dem wir wirklich versuchen werden, unser Bestes zu geben.

Fanbo Meng, in der vergangenen Saison standen Sie mit Fulda im Endspiel. Was macht für Sie die „Faszination Pokal" aus?

Fanbo Meng: Die Chancen sind da ganz anders als in der Bundesliga. Man braucht nun rein theoretisch vielleicht einen perfekten Tag, um ins Halbfinale zu kommen. Der Pokal hat allgemein oft seine eigenen Regeln. Als wir in der vergangenen Saison das Endspiel gegen den 1. FC Saarbrücken-TT erreicht hatten, tat uns das schon sehr gut – und dann hatten wir auch unsere Chance auf eine Sensation. So etwas ist fast nur im Pokal möglich - in einem Spiel eben.

2024 gehörten Sie, Borgar Haug, an der Seite von Timo Boll zu Borussia Düsseldorfs Pokalsieger-Mannschaft. Wie haben Sie damals den Weg zum Gewinn des Pokals erlebt?

Borgar Haug: Der Pokalsieg 2024 war ein großartiges Erlebnis. Es war schön, Teil der Siegermannschaft zu sein – mein erster Titel mit Borussia. Besonders cool war natürlich, dass Timo Boll dabei war; er ist schon lange – was soll man sagen? – ein Idol für mich, schon seit ich ein kleines Kind war. Das war also wirklich etwas Besonderes.

Wie wichtig wäre für Fulda nach den insgesamt mäßigen Verläufen der beiden vergangenen Spielzeit ein früher Erfolg durch den Einzug ins Halbfinale?

Fanbo Meng: Natürlich spielt der Erfolg eine wichtige Rolle für den Verein. Unser Klub hat in den letzten Jahren viel investiert, hat Dimitrij Ovtcharov und Jonathan Groth geholt. Dass am Ende kein Play-off-Platz herausgekommen ist, ist schon bitter und wird auch unseren eigenen Erwartungen nicht gerecht, obwohl man sich dabei auch bewusst sein muss, dass andere Mannschaften sich auch immer gut verstärkt hatten. Die Liga wird im Kampf um die Halbfinalteilnahme auch nicht schlechter werden, und dadurch sind die Chancen auf den Einzug ins Pokal Final4 ähnlich wie in der Meisterschaft. Die Saison wird sehr lang, und wir schauen erstmal von Spiel zu Spiel und sind gespannt, was unsere Führungsspieler ‚Dima‘ und Jonathan dieses Jahr herauszaubern können.

Velbert hat die vergangene Zweitliga-Saison am Tabellenende abgeschlossen. Welchen Stellenwert hat vor diesem Hintergrund das „kleine Pokalturnier" in Nürnberg für Ihren Verein?

Borgar Haug: Ich glaube, der Saisonauftakt in Nürnberg wird für uns eine großartige Sache. Natürlich wäre es toll, wenn wir etwas Zählbares mitnehmen könnten, aber in erster Linie geht es darum, als Mannschaft in Schwung zu kommen – es ist ja unser erstes Saisonspiel – und zu sehen, wo wir stehen, und hoffentlich den Grundstein für eine erfolgreiche Saison zu legen.

Borgar Haug und Fanbo Meng, vielen Dank für das Gespräch.

Florian Manzke