Düsseldorf vor Hauptrundenmeisterschaft – Bergneustadt komplettiert Play-offs
Nach dem 20. Spieltag der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) ist das Feld für das Liebherr TTBL Final4 komplett. Durch den Sieg über Bad Homburg sicherte sich der TTC Schwalbe Bergneustadt um Spitzenspieler Benedikt Duda das letzte Ticket für das Finalturnier. Rekordmeister Borussia Düsseldorf gewann währenddessen das Gipfeltreffen an der Tabellenspitze beim SV Werder Bremen im Schlussdoppel und steht nun vor dem Gewinn der Hauptrundenmeisterschaft sowie dem Recht, sich den Erstrundengegner beim Final4 aussuchen zu können. Für den 1. FC Saarbrücken ging mit der Niederlage gegen Fulda eine enttäuschende Woche zu Ende.
Werder-Coach Tamas: „Fühle mich nicht als Verlierer“
Am Ende des Spitzenspiels jubelte Borussia Düsseldorf, aber auch der „Verlierer“ SV Werder Bremen blickte mit Stolz auf die Leistung. „Ich fühle mich im Augenblick nicht als Verlierer“, sagte Werder-Coach Cristian Tamas am Dyn-Mikro: „Wir haben zweimal 3:0 gewonnen und in den Spielen, die wir verloren haben, waren wir nicht chancenlos – so würde ich es mal sagen. Auch Düsseldorfs Nummer eins am Freitagabend stimmte zu: „Es war wirklich ein verrücktes Spiel. Alle Spiele waren so knapp. Wir haben beide gezeigt, warum wir in dieser Saison zwei der besten Mannschaften der Liga sind“, sagte Kanak Jha.
Es kristallisierte sich früh heraus, dass es auf Werders Seite vor allem einen Gegner geben wird, der dem Rekordmeister vor Probleme stellt. Kirill Gerassimenko erhielt an Position eins gesetzt erneut das Vertrauen von Tamas und rechtfertigte es doppelt. Sowohl gegen Li Yongyin sowie Jha gab der Kasache keinen Satz ab und setzte somit seine herausragende Saison fort – Mit 19:9-Spielen hat sich Gerassimenko zu einem Topspieler der TTBL gemausert.
Drei Decider fallen auf Düsseldorfer Seite
In den drei Spielen ohne Gerassimenkos Beteiligung ging es deutlich knapper zur Sache – und dreimal behielten die Borussen die besseren Nerven. Sowohl Jha gegen Mattias Falck, Anton Källberg gegen Irvin Bertrand wie auch das Doppel Källberg/Li gegen Falck/Bertrand gewannen im Entscheidungssatz. Bertrand hatte dabei sogar mehrere Matchbälle und im Schlussdoppel führte das Werder-Duo bereits 8:4 im Decider, bevor die Borussen eine Serie von sieben Punkten in Folge zum Matchgewinn nutzten.
Für Tamas ist die Niederlage zwar ärgerlich, aber „einen Dämpfer würde ich es nicht nennen, da die Leistung der Jungs richtig gut war. So viel haben wir nicht falsch gemacht. Man braucht nur ein bisschen mehr, um so ein Spiel zu gewinnen.“ Werder müsste die letzten beiden Saisonspiele gewinnen und auf zwei Niederlagen von Düsseldorf hoffen, um die Saison noch auf dem ersten Platz zu beenden.
Duda führt Bergneustadt in die Play-offs
Der achte Sieg in Folge für den TTC Schwalbe Bergneustadt war ein besonderer: Zum ersten Mal seit der Saison 2018/19 hat Schwalbe die Play-offs erreicht und spielt somit beim Liebherr TTBL Final4 um die Deutsche Meisterschaft. Maßgeblich für die Qualifikation ist die starke Form: 2026 ging nur das erste Spiel (2:3 gegen Borussia Düsseldorf) verloren. „Wir haben bis zuletzt gesagt, dass wir erstmal spielen“, sagte Trainer Frederik Duda nach dem Spiel bei Dyn. „Ich hoffe, dass wir uns einigermaßen zusammen darauf vorbereiten können, da es schon ein sehr großes Event für uns wird.“
Das Hindernis Bad Homburg auf dem Weg in die Play-offs nahm die Mannschaft von Duda ernst. „Wir haben im Hinspiel gegen Bad Homburg verloren und wussten, dass es schwer wird“, sagte Duda, dessen Bruder Benedikt direkt zu Beginn gegen Juan Perez gefordert war – in der Hinserie ging der Punkt an den Bad Homburger. Doch anders lief es am Freitagabend. Duda fand schnell seinen Rhythmus und gewann ungefährdet 3:0. Bad Homburgs Nummer eins Jo Yokotani machte es allerdings prompt sein Pendant nach und stellte vor der Pause durch den Dreisatzsieg über Adrien Rassenfosse auf 1:1.
Ruiz holt Schlüsselspiel, Duda mit TTBL-Bestwert
Nach der Pause jedoch wurden Bergneustadts Leistungsträger ihrem Ruf gerecht. Romain Ruiz gab gegen Benno Oehme zwar einen Satz ab, der Viersatzsieg war für den Franzosen letztlich aber ungefährdet. Duda machte dann durch seinen zweiten 3:0-Erfolg des Abends im Duell der Einser gegen Jo Yokotani endgültig den Deckel drauf. Durch die zwei weiteren Siege verbesserte Duda seine TTBL-Bilanz auf 25:6 und hat somit sechs Spiele Vorsprung auf den zweitplatzierten Anton Källberg (17:4).
Papa-Sohn-Doppel Meng/Meng ringt Saarbrücken nieder
Ein Freudenschrei und ein kollegialer Brustpraller – so feierte das Fuldaer Doppel den entscheidenden Punkt zum Matchgewinn für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Die Gewinner waren aber keine alten Freunde, sondern die Vater-Sohn-Kombination Fanbo Meng und Qing Yu Meng. Es war der erste Saisonsieg im zweiten Versuch für die beiden, nachdem ein Versuch gegen den Post SV Mühlhausen bereits erfolgslos blieb. Die schöne Familiengeschichte löste bei FCS-Teammanager Nicolas Barrois allerdings keine freudigen Gefühle aus.
„Das ist für uns sehr ernüchternd. Das Spiel wollten wir nicht verlieren, so viel kann ich sagen“, kommentierte Barrois die zweite Niederlage seines Klubs in einer Woche bei Dyn. Dabei mussten beide Mannschaften aufgrund des Weltcups in China personell improvisieren, was die Marschroute eindeutig machte: „In der Regel macht Fan Zhendong zwei Punkte und dann muss irgendwo der dritte Punkt herkommen. Wir hatten gehofft, dass Ceddy oder das Doppel es reißen kann – das war nicht der Fall.“
Fan souverän, Meissner und Arpas wackeln
Der chinesische Superstar Fan Zhendong erfüllte seinen Part eindrucksvoll. Gegen Qing Yu Meng und Ruwen Filus erlaubte sich der Olympiasieger nur eine Schwächephase im ersten Satz gegen Meng, als er sechs Satzbälle in Folge vergab und in die Verlängerung musste. Danach folgten fünf souveräne Sätze zu zwei glatten 3:0-Siegen. Nachwuchs-Ass Samuel Arpas aus der zweiten Mannschaft war gegen Ruwen Filus chancenlos (0:3), Cedric Meissner konnte nach 1:0-Führung gegen Fanbo Meng den entscheidenden Punkt nicht holen und verlor in vier Sätzen.
Im Schlussdoppel schien die Ausgangslage auf Seite der Saarländer zu sein. Das Doppel Meng/Meng ist eine Linkshänderkombination, dazu trainiert Papa Meng bereits seit langer Zeit nicht mehr. Doch das FCS-Duo kam nicht ins Spiel, immer wieder kamen Meng/Meng durch krachende Rückhandbälle zu Punktgewinnen. „Das war kein gutes Doppel, das muss man so sagen. Das Aufschlag-Rückschlag-Spiel war katastrophal“, analysierte Barrois das Spiel, das letztendlich in vier Sätzen an Fulda ging.
Play-off-Feld komplett: Düsseldorf mit der Qual der Wahl
Durch die Niederlage fällt Saarbrücken in der Tabelle auf den vierten Platz zurück. Mit zwei Punkten Rückstand auf Bergneustadt hat der FCS aber am letzten Spieltag im direkten Duell noch die Chance, den dritten Platz zurückzuerobern. Das Ziel, womöglich noch den zweiten Tabellenplatz zu erreichen und somit auf allen Fällen ein Erstrunden-Duell mit Borussia Düsseldorf aus dem Weg zu gehen, ist durch die zwei Niederlagen innerhalb von einer Woche in weite Ferne gerückt.
Sollte der Rekordmeister die Tabellenführung bis zum Ende der Hauptrunde behaupten, kann die Mannschaft von Trainer Danny Heister erstmals selbst wählen, ob man lieber gegen den Dritten oder Vierten im Halbfinale spielen möchte. „Platz eins ist sehr wichtig. Wir alle wollen nicht gegen Saarbrücken spielen“, sagte der Niederländer bereits vor der Partie zur Bedeutung dieser neuen Regelung.
Der 20. Spieltag in der Übersicht
TTC Zugbrücke Grenzau – Borussia Dortmund 3:1
Yi-Hsin Feng – Alberto Mino 3:1 (7:11, 11:4, 11:9, 11:4)
Maciej Kubik – Kristian Karlsson 1:3 (10:12, 11:6, 3:11, 7:11)
Luka Mladenovic – Cedric Nuytinck 3:2 (11:8, 11:9, 9:11, 9:11, 11:7)
Yi-Hsin Feng – Kristian Karlsson 3:2 (11:13, 8:11, 11:9, 12:10, 11:5)
1. FC Saarbrücken-TT – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 2:3
Fan Zhendong – Qing Yu Meng 3:0 (12:10, 11:5, 11:8)
Samuel Arpas – Ruwen Filus 0:3 (9:11, 4:11, 8:11)
Cedric Meissner – Fanbo Meng 1:3 (11:8, 8:11, 9:11, 8:11)
Fan Zhendong – Ruwen Filus 3:0 (11:3, 11:6, 11:6)
Meissner/Arpas – Meng/Meng 1:3 (6:11, 8:11, 11:6, 9:11)
SV Werder Bremen – Borussia Düsseldorf 2:3
Kirill Gerassimenko – Li Yongyin 3:0 (11:8, 12:10, 11:7)
Mattias Falck – Kanak Jha 2:3 (2:11, 11:3, 11:9, 10:12, 10:12)
Irvin Bertrand – Anton Källberg 2:3 (10:12, 11:7, 7:11, 13:11, 10:12)
Kirill Gerassimenko – Kanak Jha 3:0 (11:7, 12:10, 12:10)
Falck/Bertrand – Källberg/Li 2:3 (3:11, 11:7, 11:6, 5:11, 8:11)
TTC Schwalbe Bergneustadt – TTC OE Clarity-Telefonie Systeme Bad Homburg 3:1
Benedikt Duda – Juan Perez 3:0 (11:5, 11:7, 11:6)
Adrien Rassenfosse – Jo Yokotani 0:3 (11:13, 11:13, 4:11)
Romain Ruiz – Benno Oehme 3:1 (11:2, 11:8, 7:11, 11:4)
Benedikt Duda – Jo Yokotani 3:0 (11:9, 12:10, 11:7)
Samstag, 28. März:
15 Uhr: TTF Liebherr Ochsenhausen – Post SV Mühlhausen
Sonntag, 29. März:
14 Uhr: TSV Bad Königshofen – ASC Grünwettersbach
Alle Partien werden live bei Dyn übertragen.
Die aktuelle Tabelle der Tischtennis Bundesliga (TTBL) finden Sie hier.
Beitragsbild: Anton Källberg von Borussia Düsseldorf (Foto: Jörg Fuhrmann).